Was uns zu schaffen macht, ist der reaktive Verstand. Auch in diesem Verstand sind Erinnerungen gespeichert, aber diese sind unbewusst und schmerzhaft. In diesem Verstand sind jene Erinnerungen gespeichert, die wir lieber verdrängen. Wir möchten nicht, dass diese Dinge geschehen sind.
Was sind das für Erinnerungen? Geschlagen oder gescholten worden sein, das angeschlagene Schienbein, der Zahnarztbesuch, eine Scheidung, peinliche Fehler, um nur einige zu nennen. Erinnern Sie sich gerne daran, wie jemand starb, der Ihnen nahe stand?
Diesen Verstand kontrollieren nicht Sie, er kontrolliert Sie. Sie sind nicht Ursache über ihn, sondern Effekt von ihm. Wie kontrolliert er die Person? Analysieren wir dies anhand eines Beispieles: Jemand ist sauer auf seinen Chef, ob gerechtfertigt oder nicht ist einerlei. Er lässt bei einem Mitarbeiter Dampf ab. In seinem Ärger sagt er mehr als bloss die Wahrheit und braucht unschöne Worte. Mitten im Gespräch geht die Türe auf und ausgerechnet der Chef tritt ein. Er will, dass der verärgerte Mitarbeiter des späteren Nachmittags zu ihm ins Büro kommt. Obwohl der Chef kaum mitbekommen hat, was da gesprochen wurde, wird nun der reaktive den analytischen Verstand mit lästigen Gedanken lähmen. Immer wenn er sich konzentrieren will, beginnt eine Gedanken-Maschinerie abzulaufen. "Was will er von mir? Hörte er, was ich da sagte? Bekomme ich eine Rüffel oder gar die Kündigung? Was sagt meine Frau, wenn ich arbeitslos bin?" Dieser Verstand reagiert einfach.
Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel. Ein Kind will ein Streichholz anzünden und verbrennt sich die Finger. Jedes Mal wenn nun dieses Kind aufgefordert wird, ein Streichholz anzuzünden, wird es diese Erinnerung vor Augen haben und sich weigern, dies zu tun. Drängt man es, wird es weinen oder Zeter und Mordio zu schreien beginnen. Die Erinnerung des Verbrennens der Finger wird wieder aktiv, sogar den Schmerz fühlt es in diesem Moment wieder. Das Geschehnis wurde re-aktiviert. Frühere, ähnliche Erinnerungen werden re-aktiviert, auch wenn sie im Moment nicht richtig bewusst sind. Weil dieser Verstand wieder aktiv wird, nennen wir ihn reaktiver Verstand.
Der reaktive Verstand kann sehr stark in den analytischen Verstand hineinwirken. Vor allem tut er dies, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wir denken, wir hätten unser Denken im Griff. Je schlechter man es im Griff hat, desto fester denkt man dies. Wir kämen nie auf die Idee, ein Teil unseres Verstandes spiele verrückt. Das eigene unlogische Verhalten zu sehen ist sehr schwierig, fast unmöglich. Bei anderen Leuten ist es viel einfacher zu erkennen. Beim Kind mit den verbrannten Fingern sehen wir sofort, dass es sich überwinden muss, um Streichhölzer anzünden zu können. Diese relativ ungefährliche Tätigkeit nicht zu lernen ist unvernünftig und hinderlich. Bei einem Erwachsenen würde dies gar als gestörtes Verhalten eingestuft.